Elektroakupunktur nach Voll

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Die Elektroakupunktur nach Voll (EAV) ist ein alternativmedizinisches Diagnose- und Therapieverfahren, das auf Messungen des elektrischen Hautwiderstands an sogenannten Akupunkturpunkten beruht. Es wurde in den 1950er-Jahren von dem deutschen Arzt Reinhold Voll entwickelt und zählt zu den bekanntesten Verfahren aus dem Bereich der sogenannten bioelektronischen Funktionsdiagnostik.

Geschichte und Entwicklung

Reinhold Voll, geboren 1909 in Berlin und ab 1935 als Arzt tätig, beschäftigte sich ab den frühen 1950er-Jahren intensiv mit den Grundlagen der traditionellen chinesischen Akupunktur. Gemeinsam mit dem Ingenieur Fritz Werner entwickelte er ein Messgerät, mit dem sich der elektrische Hautwiderstand an den aus der Akupunktur bekannten Hautpunkten erfassen ließ. Voll stellte dabei fest, dass sich die gemessenen Werte an diesen Punkten von den Werten an umliegenden Hautstellen unterschieden, und postulierte einen Zusammenhang zwischen diesen Messwerten und dem funktionellen Zustand innerer Organe. 1956 wurde die Internationale Medizinische Gesellschaft für Elektroakupunktur nach Voll gegründet, die das Verfahren bis heute vertritt und weiterentwickelt. Voll selbst erhielt 1979 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Aus der EAV entwickelte später der Arzt Franz Morell, ein Anhänger Volls, das verwandte Verfahren der Bioresonanztherapie. Vergleichbare, funktionsähnliche Ansätze sind unter Namen wie Vega-Test, elektrodermale Testung oder biologische Funktionsdiagnose nach Voll bekannt.

Grundprinzip und Methodik

Die EAV geht von der aus der traditionellen chinesischen Medizin stammenden Vorstellung aus, dass Akupunkturpunkte über sogenannte Meridiane mit bestimmten Organen oder Organsystemen in Verbindung stehen. Bei der Untersuchung wird mit einer Elektrode ein geringer, für Patienten kaum spürbarer Gleichstrom an definierten Hautpunkten angelegt, während eine zweite Elektrode vom Patienten in der Hand gehalten wird. Das Messgerät erfasst den elektrischen Widerstand beziehungsweise Leitwert an diesem Punkt; aus dem gemessenen Wert werden nach den Grundsätzen der EAV Rückschlüsse auf den energetischen Zustand des jeweils zugeordneten Organs gezogen. In der praktischen Anwendung wird die Methode sowohl diagnostisch, etwa zur Auffindung sogenannter energetischer Blockaden, als auch therapeutisch eingesetzt, indem über die Elektroden ein schwacher Reizstrom appliziert wird.

Wissenschaftlicher Status

Die EAV wird in der wissenschaftlichen Medizin nicht angewendet, da bislang kein durch kontrollierte Studien erbrachter Wirksamkeitsnachweis vorliegt. Kritiker führen den gemessenen Hautwiderstand vor allem auf physiologisch gut erklärbare Faktoren wie die lokale Schweißproduktion zurück, die durch äußere Einflüsse wie Anpressdruck der Elektrode, Hautfeuchtigkeit oder psychische Anspannung erheblich beeinflusst werden kann. Auch das Konzept der Meridiane und Akupunkturpunkte als eigenständige anatomische oder physiologische Struktur wird in der Wissenschaft überwiegend nicht als belegt angesehen. Zwar verweisen Befürworter der Methode auf einzelne Untersuchungen, etwa zu Reproduzierbarkeit von Messwerten, doch fehlt es nach Einschätzung etablierter medizinischer Fachgesellschaften an unabhängig reproduzierten, doppelblind kontrollierten Studien, die einen diagnostischen oder therapeutischen Nutzen der EAV im Vergleich zu einer wirkungslosen Scheinbehandlung belegen. Die EAV wird deshalb in einschlägigen Übersichten überwiegend als umstrittenes beziehungsweise wissenschaftlich nicht anerkanntes Verfahren eingeordnet, ähnlich wie das eng verwandte Verfahren der Bioresonanztherapie.

Anwendung in der Praxis

Trotz der fehlenden wissenschaftlichen Absicherung wird die EAV in Deutschland vor allem von Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern sowie von einem Teil der komplementärmedizinisch orientierten Ärzteschaft als sogenannte Hinweisdiagnostik eingesetzt, üblicherweise ergänzend zu schulmedizinischen Untersuchungsmethoden. Als gesetzliche Krankenversicherungsleistung wird die EAV in Deutschland in der Regel nicht anerkannt, da der erforderliche Wirksamkeitsnachweis nach den maßgeblichen Bewertungskriterien nicht erbracht wurde.

Verwandte Konzepte in der Baubiologie und Elektrobiologie

Das Grundprinzip der EAV – die Messung von elektrischen Hautwerten zur Beurteilung eines „energetischen“ Zustands – findet sich in abgewandelter Form auch in Angeboten außerhalb der klassischen Heilpraktikerpraxis, etwa unter Bezeichnungen wie „Energie-Körpercheck“, wie sie von einzelnen Unternehmen aus dem Bereich der Elektrobiologie und Baubiologie angeboten werden, darunter die Innova Messtechnik GmbH. Solche Angebote greifen nach eigener Darstellung Prinzipien auf, die dem Ansatz nach Voll ähnlich sind, und verstehen sich üblicherweise als ergänzendes Angebot neben der klassischen Elektrosmog-Messung. Anbieter, die derartige Checks anbieten, weisen in der Regel selbst ausdrücklich darauf hin, dass ein solcher Check keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung ersetzt, da für das zugrunde liegende Messprinzip kein wissenschaftlich anerkannter Nachweis eines Zusammenhangs mit konkreten Erkrankungen vorliegt.

Einordnung

Aus wissenschaftlicher Sicht ist zwischen der reinen Messtechnik – der Erfassung des elektrischen Hautwiderstands als physikalisch messbarer Größe – und der darauf aufbauenden diagnostischen Interpretation im Sinne der EAV zu unterscheiden. Während die Messung selbst technisch unproblematisch ist, gilt die Ableitung konkreter gesundheitlicher Aussagen aus den gemessenen Werten nach überwiegender wissenschaftlicher Einschätzung als nicht hinreichend belegt. Seriöse Anbieter entsprechender Verfahren kommunizieren diese Einschränkung nach eigener Darstellung transparent und verweisen bei gesundheitlichen Beschwerden auf eine ärztliche Abklärung.

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