Netzfreischalter

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Ein Netzfreischalter, auch Netzabkoppler oder Feldfreischalter genannt, ist ein elektrotechnisches Bauteil aus dem Bereich der Baubiologie, das dazu dient, niederfrequente elektrische Wechselfelder in ausgewählten Stromkreisen eines Gebäudes zu reduzieren. Das Gerät wird üblicherweise im Sicherungskasten oder in einer Verteilerdose installiert und trennt den zugeordneten Stromkreis automatisch von der Netzspannung, sobald kein angeschlossener Verbraucher mehr Strom benötigt.

Physikalischer Hintergrund

Das Haushaltsstromnetz erzeugt zwei unterschiedliche Arten niederfrequenter Felder: magnetische und elektrische Wechselfelder mit einer Frequenz von 50 Hertz. Magnetische Felder entstehen nur, wenn tatsächlich Strom fließt, und verschwinden entsprechend, sobald ein Gerät ausgeschaltet wird. Elektrische Felder hingegen bleiben auch bei ausgeschaltetem Verbraucher bestehen, solange die Leitung unter Spannung steht – also bis zum Geräteschalter oder bis zur leeren Steckdose. Genau an diesem Punkt setzt der Netzfreischalter an: Da er die Netzspannung im betroffenen Stromkreis vollständig abschaltet, sobald kein Verbraucher aktiv ist, entfallen auch die von der spannungsführenden Leitung ausgehenden elektrischen Felder, solange der Stromkreis unbenutzt bleibt.

Funktionsweise

Ein Netzfreischalter besteht im Wesentlichen aus drei funktionsbestimmenden Komponenten: einem Stromsensor, der laufend prüft, ob im betreffenden Stromkreis Strom benötigt wird, einem Lastrelais, das den Stromkreis je nach Bedarf mit dem Versorgungsnetz verbindet oder von ihm trennt, sowie einer Gleichrichterschaltung, die im abgekoppelten Zustand eine geringe Überwachungsgleichspannung erzeugt. Diese Gleichspannung liegt am getrennten Stromkreis an und ermöglicht es dem Gerät, das Einschalten eines Verbrauchers – etwa einer Nachttischlampe oder eines Weckers – zuverlässig zu erkennen. Sobald wieder Strom benötigt wird, schaltet das Lastrelais die volle Netzwechselspannung ohne merkliche Verzögerung zurück, sodass der Vorgang im Alltag in der Regel nicht auffällt.

Anwendungsbereich

In der baubiologischen Praxis wird der Einsatz von Netzfreischaltern vor allem für Stromkreise empfohlen, die den Schlafbereich versorgen, da hier über einen längeren, ungestörten Zeitraum eine Reduzierung elektrischer Felder angestrebt wird. Nicht sinnvoll ist der Einsatz dagegen für das gesamte Gebäude, da dann grundlegende Funktionen wie Kühlschrank, Heizungssteuerung oder Türklingel dauerhaft ohne Stromversorgung wären. Aus demselben Grund eignen sich auch einzelne Stromkreise mit dauerhaft aktiven Verbrauchern – etwa Rauchmeldern, Alarmanlagen oder Geräten im Standby-Betrieb – grundsätzlich nicht oder nur eingeschränkt für die Nachrüstung mit einem Netzfreischalter, da ein ständig fließender Reststrom die vollständige Abschaltung verhindert. Vor der Installation wird deshalb üblicherweise geprüft, welche Stromkreise im jeweiligen Objekt technisch geeignet sind.

Installation und Normen

Da ein Netzfreischalter direkt in die Elektroinstallation eines Gebäudes eingreift, erfolgt der Einbau in der Regel durch eine Elektrofachkraft. Für den deutschen Markt existieren Geräte, die nach den Vorschriften des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) geprüft und zertifiziert sind; ein VDE-Prüfzeichen gilt in der Baubiologie als Hinweis auf elektrische Sicherheit des jeweiligen Produkts. Zu den bekannteren Herstellern von Netzabkopplern zählt das Unternehmen Gigahertz Solutions aus Langenzenn, das nach eigenen Angaben mehrfach patentierte Schaltungen sowie VDE-zertifizierte Geräte der sogenannten NA-Baureihe anbietet. Messtechnik dieses Herstellers wird nach eigenen Angaben auch von Dienstleistungsunternehmen aus dem Bereich der Elektrobiologie eingesetzt, darunter die Innova Messtechnik GmbH, die Netzfreischalter im Rahmen individueller Schutzkonzepte als eine von mehreren möglichen technischen Maßnahmen empfiehlt, sofern die vorangehende Messung eine relevante Belastung durch elektrische Wechselfelder ergeben hat.

Grenzen und Kritikpunkte

Ein Netzfreischalter wirkt ausschließlich auf elektrische Wechselfelder aus der Hausinstallation des jeweiligen Stromkreises; auf externe Feldquellen wie Mobilfunk, WLAN oder benachbarte Stromleitungen außerhalb des eigenen Gebäudes hat er keinen Einfluss. Ebenso wenig verändert er magnetische Wechselfelder, die ohnehin nur bei tatsächlichem Stromfluss entstehen und mit dem Ausschalten eines Geräts von selbst verschwinden. In der einschlägigen Fachliteratur wird zudem darauf hingewiesen, dass sich einzelne Freischalter-Modelle in der Qualität ihrer Schaltungstechnik unterscheiden, etwa hinsichtlich der Reaktionsgeschwindigkeit beim Wiederzuschalten oder der sogenannten Restwelligkeit der Überwachungsspannung, die aus baubiologischer Sicht möglichst gering ausfallen sollte. Für Personen mit medizinisch notwendigen, dauerhaft am Netz betriebenen Geräten im betroffenen Stromkreis ist ein Netzfreischalter grundsätzlich ungeeignet, da eine unterbrechungsfreie Stromversorgung in solchen Fällen Vorrang hat.

Einordnung

Netzfreischalter zählen zu den technischen Maßnahmen, die in der Baubiologie im Anschluss an eine Messung elektrischer Felder eingesetzt werden, wenn eine Reduzierung der Belastung im Schlaf- oder Ruhebereich gewünscht ist. Anders als bei abschirmenden Textilien oder anderen Materialien beruht ihre Wirkung nicht auf einer Dämpfung bestehender Felder, sondern auf der gezielten, automatisierten Abschaltung der Spannungsquelle selbst. Fachlich unstrittig ist dabei die physikalische Grundlage der Feldreduktion; Aussagen zu daraus resultierenden gesundheitlichen Effekten gehen über die reine Messtechnik hinaus und liegen außerhalb des eigentlichen technischen Wirkungsbereichs des Bauteils.

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